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Geschichte Bratananiums

Nach zwei Karten zur Geographie des römischen Reichs und speziell zum Verlauf des Limes folgt die geschichtliche Entwicklung Bratananiums mit der Eroberung Raetiens unter Augustus und die Zeit in Bratananium nach Augustus bis zum Beginn des Mittelalters. Wie Gauting im frühen Mittelalter aussah, wird durch die Grabungen der letzten Jahre und den daraus zu gewinnenden Erkenntnissen immer mehr Gestalt annehmen.

1. Gesamtausdehnung des römischen Reichs im 3. Jahrhundert n. Chr.


 

Abb. 1 Römisches Reich im 3. Jh.

Situation östlich des Rheins und Verlauf des Limes
Für die Römer bot das dünn besiedelte Voralpenland eine vereinfachte Verbindung zwischen den westlichen und den östlichen Provinzen. Die Barriere der Alpen verursachte bis dahin insbesondere in den kalten Jahreszeiten erhebliche Probleme bei Truppenverschiebungen.
Die permanenten Einfälle der Barbaren führten schließlich zum Bau der befestigten Reichsgrenze, des Limes.  (Abb. 2)

Abb. 2 Verlauf des Limes

 

2. Geschichtliche Entwicklung Bratananiums

2.1 Eroberung Rätiens unter Augustus
Gauting, d.h. Bratananium, verdankt seine Entstehung seiner Straßensituation. Auf der Landkarte ist zu erkennen, wie wichtig Bratananium für den Verkehr zwischen Italien und Gallien einerseits und dem Nordosten andererseits war.(Abb. 3)

 

Abb. 3 Römerstraßen

Beim Einmarsch der Truppen von Augustus war sofort klar, daß die Kreuzung dieser wichtigen, in ihrer Anlage bereits vorhandenen Straßen militärisch gesichert werden mußte. Der Beginn der römischen Besiedlung Bratananiums dürfte also um das Jahr 15 v. Chr. zu datieren sein. Siedlungsspuren, die bei einem Hausbau im Jahr 1957 zutage kamen, lassen es als relativ gesichert erscheinen, daß in Tiberischer Zeit ein Militärposten tatsächlich existierte.

2.2 Bratananium nach Augustus
Dagegen sind die Funde aus Claudischer Zeit (ca. 40 - 65 n.Chr.) so spärlich, daß angenommen werden muß, daß durch die Vorverlegung der Truppen in Richtung Donau in Bratananium zunächst nicht weitergesiedelt wurde. Es ist anzunehmen, daß eine Neubesiedelung erst wieder in frühflavischer Zeit, d.h. ca. 70 n.Chr., erfolgte. In der Zeit der Kaiser Vespasian (69 - 79) bis hin zu Hadrian (117 - 138) hat der Ort einen kräftigen Aufschwung genommen. Funde belegen, daß zwei Brandkatastrophen den Ort heimgesucht haben. Die erste war vermutlich zu Anfang des 2. Jh., die zweite gegen Ende des 2. Jh.Wann der Ort endgültig zerstört wurde, ist bis jetzt unklar. Es könnten Alamannen-Einfälle in der 1. Hälfte de 3. Jh. gewesen sein, es ist aber auch denkbar, daß der Ort auch noch im 4. Jh. bewohnt war. Archäologisch liegt danach eine beträchtliche Lücke vor. Erst Reihengräber aus dem 7. Jh. lassen auf Wiederansiedelung an den alten Straßen schließen.Übrigens ist der Name "Bratananium" aus der Tabula Peutingeriana bekannt, einer mittelalterlichen Kopie einer spätrömischen Straßenkarte. (Abb. 4)

 

Abb.4 Tabula Peutingeriana

3. Gauting im frühen Mittelalter

Die Zeit des frühen Mittelalters ist in Gauting zwar nicht unmittelbar sichtbar, wird aber fallweise aufspürbar, wenn bei Haus-Abriß und Neubebauung im Bereich zwischen Würm und hauptsächlich Münchenerstraße Bodeneingriffe erfolgen. So kamen in den Jahren 2013/2014 bei der Bebauung der Grundstücke Münchenerstr. 15/17/19 neben vielen Scherben, Metallteilen und Münzen zahlreiche Pfostenlöcher von Gruben- und Lang-Häusern zum Vorschein, außerdem ein Skelett aus einer Hofbestattung. Da die nahe gelegene Pfarrkirche St. Benedikt in ihren Anfängen bis ins frühe Mittelalter zurückreicht, könnte hier an der Münchenerstraße das Zentrum des mittelalterlichen Gauting gelegen haben, zumal in dem sich nördlich anschließenden, vor mehr als 10 Jahren bebauten Tassilohof ebenfalls frühmittelaterliche Funde zu Tage kamen. Man darf sich die heutige Münchenerstraße aber nicht als Grenzlinie der Bebauung vorstellen, denn auch beim Bau des Schuh-Linse-Hauses und weiter östlich an der Buchendorferstraße stießen die Archäologen auf mittelalterliche Spuren, ja sogar jenseits der Würm am Beginn der Reismühlerstraße und in der Annastraße. Auch in Buchendorf selbst und an der Neuriederstraße zeigten sich mittelalterliche Bodeneingriffe.

Aus all diesen einzelnen Befunden und Fundstellen ein Gesamtbild des (früh-)mittelalterlichen Gauting zu gewinnen bemüht sich das Bay. Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) in München. Wir werden über die Ergebnisse berichten.